Psychotherapie

In der Psychotherapie stehen nicht das Gehirn und seine Beeinflussungsmöglichkeiten im Vordergrund, sondern die betroffene Person in ihrer Auseinandersetzung mit der Umwelt. Mit Umwelt sind in diesem Zusammenhang die sozialen Interaktionen gemeint, mit denen sich die Person auseinandersetzt, aber auch der Dialog mit den eigenen körperlichen und geistigen Funktionen. 

Vereinfacht kann man das Gehirn in drei übereinanderliegenden Ebenen beschreiben.

Das Stammhirn reguliert die basalen Körperfunktionen wie Temperatur, Atmung und Herzschlag, aber auch Schreck- und Ohnmachtsreaktionen.

In der zweiten Ebene befinden sich anatomisch abgrenzbare Zellverbände, die wir mit allen anderen Säugetieren teilen. Es sind Systeme, welche die Aggressions-, Angst- und Trauerreaktionen steuern. Dort befinden sich auch die Zentren für die sexuelle Lust, für das Fürsorgeverhalten gegenüber den Nachkommen und für das Bedürfnis nach spielerischer Betätigung. Voraussetzung für die Aktivierung dieser Verhaltensformen ist ein genügender Antrieb bzw. die Motivation. Ohne Appetit, auch im übertragenen Sinn, entsteht keine persönliche Perspektive oder Sehnsucht, welche genügend stark wäre, eigene Zielsetzungen auch zu erreichen.

Die höchste und spezifisch menschliche Ebene des Gehirns ist der sogenannte Neocortex, er ist sprachfähig und kann damit mit sich selbst und mit anderen kommunizieren. Er ist der Speicherort für Gedächtnisinhalte. Dort entwickelt sich auch das Bewusstsein für persönliche bzw. egoistische Anliegen, aber auch für die Interessen der Allgemeinheit, die selbstloses und loyales Verhalten abverlangt. 

Während die Allgemeinheit Regeln und Gesetze über ihre Institutionen und Gerichte einfordern kann, bleibt das individuelle Rechtsempfinden weitgehend dem Einzelnen überlassen. Sicher ist, dass subjektives Unrechtsempfinden zu Ohnmachts-, Wut- und Angstgefühlen führt, die längerfristig fast alle Formen psychischer Störungen ausbilden können.

Seelische Traumatisierungen betreffen niemals nur das Gehirn, sondern immer die ganze Person. Jede Person hat einen Körper und eine Geschichte, die zu ihrer Identität beitragen. Während es dank dem medizinischen Fortschritt immer besser gelingt, die körperliche Integrität nach einer Krankheit wieder zu erlangen, wirken sich sozioökonomische Überlastungen weiterhin sehr ungünstig auf die Entwicklung der Selbstverantwortung und Selbstverwirklichung aus.  

Psychotherapie soll dazu beitragen, sich mit den eigenen Mitteln und Voraussetzungen in der Welt zu orientieren, eigene Wünsche und Bedürfnisse zu erkennen und durch die Überwindung von Defiziten auf befriedigende Weise selbstwirksam zu werden.